Innovation statt Masse- Firmenbesuch bei der Lindner GmbH
Peter Wattenbach (links), geschäftsführender Gesellschafter des Packmittelherstellers Paul Lindner, mit (v. l.) FDP-Kreisrat Harald Rösel, dem FDP-Bezirksvorsitzenden Markus Lüling und Bezirksvorstandsmitglied Rainer Schultz (Foto: FDP Nürnberger Land).
Ein aktuelles Beispiel ist die Weiterentwicklung der seit Jahrzehnten etablierten Produktfamilie „L-Box“. Von diesen Transportschutz-Verpackungen aus Wellpappe für empfindliche Produkte stellt Lindner jährlich rund 6 Mio. Stück in kundenspezifischen Ausführungen her. Weil konventionelle Polyurethan-Schaumpolster zunehmend unter Nachhaltigkeitsdruck geraten, hat das Unternehmen Alternativen aus recyceltem PET-Vlies und Faserguss entwickelt. Neueste Innovation ist die patentierte „L-Box Wave“, deren speziell geformte Papierwellenkonstruktion eine hohe Polsterwirkung mit einer ansprechenden Produktgestaltung verbinden soll. Die Markteinführung läuft derzeit an.
Das 1846 gegründete Familienunternehmen feiert 2026 sein 180-jähriges Bestehen. Peter Watenbach führt das Unternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Sandra Wattenbach bereits in sechster Generation. Lindner beschäftigt derzeit 120 Mitarbeiter und verzeichnet wieder eine positive Geschäftsentwicklung mit Neueinstellungen und Investitionsbedarf, nachdem dem Corona-Boom ein deutlicher Nachfragerückgang gefolgt war.
Als größte betriebliche Herausforderung bezeichnete Peter Wattenbach den Fachkräftemangel, insbesondere im gewerblichen Bereich, während die zunehmende Bürokratie zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen bindet. Allein für die Umsetzung der jüngst rechtswirksam gewordenen EU-Verpackungsverordnung PPWR hat Lindner rund 50.000 Euro in die automatisierte Erstellung von Begleitdokumenten investiert und zusätzlich eine Vollzeitstelle schaffen müssen.
Angesichts sinkender Branchenmargen und des Wettbewerbs mit ausländischen Herstellern, die bessere Kostenpositionen mitbringen, setzt Lindner bewusst nicht auf standardisierte Massenprodukte, sondern auf kundenspezifische Verpackungslösungen mit hoher Wertschöpfung. Die Innovationsstrategie verbindet die Entwicklung neuer Verpackungskonstruktionen aus Monomaterialien mit individueller Gestaltung, hoher Flexibilität und kurzen Lieferzeiten, wobei eigene Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen eine schnelle Umsetzung spezieller Kundenanforderungen ermöglichen. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf nachhaltigeren Polsterlösungen als Alternative zu konventionellem Polyurethan-Schaum, für die Lindner bereits Varianten aus recyceltem PET-Vlies und Faserguss entwickelt hat und nun mit der patentierten L-Box Wave eine neuartige, besonders polsterwirksame Papierwellenkonstruktion auf den Markt bringt.
Flankiert wird diese Produktstrategie durch umfangreiche Lagerhaltung und kurzfristige Abruflieferungen, mit denen Lindner seinen Kunden Lagerflächenbedarf und Kapitalbindung erspart, allerdings selbst erhebliche Vorfinanzierungs- und Ausfallrisiken übernimmt. Zur wirtschaftlichen Absicherung hat Lindner seine früher starke Abhängigkeit von einem einzelnen Großkunden reduziert und die Kundenbasis stark diversifiziert. Heute beliefert das Familienunternehmen eine breite Kundschaft aus zahlreichen Branchen wie Elektronik, Automobilzulieferung, Logistik, Möbel- und Sanitärtechnik.
Trotz der fortschreitenden Konzentration der Verpackungsbranche auf wenige internationale Großkonzerne wollen die Geschwister Wattenbach die Eigenständigkeit des Familienunternehmens bewahren und seine Wettbewerbsfähigkeit durch individuelle Speziallösungen, eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und enge Kundenbindung langfristig sichern.